Freitag, 18. Dezember 2015

Rückblick - mal wieder

Wenn überall die ganzen Jahresrückblicke laufen, wenn Facebook einem die "Highlights" des letzten Jahres nochmal zeigt (als ob Facebook wüsste, was ein Highlight meines Jahres war und als ob ich Facebook dafür bräuchte, mich daran zu erinnern...), wenn "Der kleine Lord" und "3 Haselnüsse für Aschenbrödel" rauf und runter laufen, wenn Wham aus dem täglichen Radioprogramm nicht mehr wegzudenken ist und die Werbeblöcke länger und voller Spielzeug werden - dann steht Weihnachten vor der Türe.
Was genau der ganze Zirkus mit "besinnlich" und mich "stader Zeit" zu tun hat, erschließt sich mir nicht so ganz, ist aber ja egal. Ich höre im Auto entweder Bayern2 oder CD und umgehe somit den Weihnachtsliederwahnsinn, Fernsehen schau ich so gut wie nie, Facebookrückblicke interessieren mich eher wenig und durch das Fernseher-Auslassen hält sich auch die Werbung in Grenzen. Somit schaffe ich es ganz gut, mir die Zeit so zu machen, wie es mir gefällt.
Mir gefällt es, wieder näher zusammenzurücken. Sich jeden Tag ein bisschen "Quality-Familien-Zeit" zu gönnen (wie das so neudeutsch halt heißt). Wir haben heute z. B. einen Spieleabend gemacht und ne Stunde lang alle um den Tisch gesessen und Kinderspiele gespielt.
Wir zünden beim Essen die Kerzen am Adventskranz an und lesen (fast) jeden Tag eine Geschichte aus dem Adventskalender.
Wir besuchen jede Woche einen anderen Christkindlmarkt und versuchen dabei hauptsächlich kleinere und schöne zu Besuchen und/oder uns die Zeit zu nehmen, besondere Dinge zu entdecken. Dieses Jahr bekommt unsere Krippe zum Beispiel einen Teich mit ein paar Schwänen...
So mag ich die Zeit - und ich freu mich auf Weihnachten.

Trotzdem darf natürlich auch hier der obligatorische Rückblick aufs letzte Jahr nicht fehlen, auch wenn er mir schwer fällt.

Ich habe viele Dinge erlebt, das meiste davon schön und bereichernd. Manches ging mir auf die Nerven, aus vielem habe ich gelernt. Mehr kann man sich eigentlich nicht wünschen. Ich habe einige erinnernswerte Erlebnisse ins Fotoalbum in meinem Kopf geklebt.
Manche zum Schmunzeln, wie der Esel, der am Maar in der Eifel unbedingt unsere Brotzeit haben wollte.
Manche, die mich stolz machen, wie z. B. die Tatsache, dass mein Sohn tapfer die drei Wettkämpfe geturnt hat oder der reibungslose Schuleintritt meiner Tochter.
Manche, die mich traurig machen, wie der Tod und die Beerdigung meiner Oma und viele, die mich glücklich machen, wie gemeinsame Treffen mit Freunden, neue Freundschaften, die sich gebildet haben, meine Familie und mein Mann, der auch nach 10 Jahren noch an meiner Seite (oder hinter mir) steht (je nachdem, wo ich ihn eben gerade brauche).
Ich habe viel gelernt, egal, ob es Fähigkeiten und Fertigkeiten sind, die ich weiterentwickelt habe (wie das Fotografieren) oder Dinge über mich und andere. Mir sind ein paar Dinge bewusster geworden, ich weiß wieder ein bisschen mehr, was ich möchte und was nicht, kurz: Es war ein Jahr voller Leben.
Ich hoffe, ihr alle könnt ebenfalls auf dieses Jahr zurückschauen und sagen: Bei allem, was es gebracht hat, bei allen Höhen und Tiefen waren schöne Momente dabei und konnte ich Dinge für mich lernen und mitnehmen.
Das ist es, worauf es meiner Meinung nach ankommt. Nicht darum, dass immer alles strahlend hell und wunderbar ist. Das macht nicht glücklich. Sondern darauf, dass man zumindest im Blick in den Rückspiegel noch ein paar Dinge findet, die gut waren.
Ich glaube nicht, dass alles irgendwann Sinn macht. Es gibt genügend Scheiß in jedem Leben, den tatsächlich auch im Nachhinein kein Mensch braucht. Es gibt Kriege und Gewalt und sinnlose Grausamkeit und Härte im Leben. Mir kann auch keiner erklären, welchen Sinn es im Nachhinein macht, wenn Kinder irgendwo auf der Welt verhungern. Aber ich glaube, dass es glücklich macht, wenn man zumindest im Rückblick schafft, etwas Gutes in schweren Zeiten zu finden.

In diesem Sinne wünsche ich Euch für dieses Jahr wunderbare Weihnachtstage, so wie Ihr sie Euch wünscht. Egal ob fröhlich, friedlich oder festlich, mit vielen Menschen oder alleine, mit großem Gala-Diner oder Bockwürstchen. Einfach ein paar Tage nach Eurem Geschmack und für das nächste Jahr wünsche ich Euch massenhaft Erinnerungen für Euer Fotoalbum.

Sonntag, 13. Dezember 2015

(Vorweihnachts.) Stress

Ich bin genervt.
Sind ja gerade viele. Die meisten wegen Weihnachten und Plätzchen backen und 793 Geschenke kaufen und die verpacken und überhaupt.
Ich gar nicht deswegen. Ich backe dieses Jahr keine Plätzchen (oder nur eine Sorte) - das überlass ich denen, die es gerne machen und Spaß daran haben. Wenn ich nächstes Jahr wieder Spaß dran habe, backe ich nächstes Jahr wieder. Wenn nicht, dann nicht.
Geschenke habe ich jetzt (glaube ich) alle - und verpacken läuft am 23. im Rundumschlag.
Nein, ich bin überhaupt und prinzipiell genervt.
Weil ich das Gefühl habe, keine Zeit mehr für mich zu haben, weil alles zu viel ist, weil meine Kinder (wie sich das für Kinder halt gehört) nicht hören und nicht aufräumen und sich manchmal streiten, weil Menschen in meiner Umgebung nicht so tun und denken, wie ich das für Richtig empfinden würde, weil andere mich spüren lassen, dass ich nicht so handel und denke, wie sie das für Richtig emfpinden würden,weil meine Handgelenke nach einem dreiviertel Jahr immer noch weh tun und die Sehnenscheidenentzündung einfach nicht abklingen will, weil Gitarre spielen, stricken und häkeln mit extremen Schmerzen verbunden sind, weil es draußen Wetter hat und mein Kind um halb neun noch immer nicht schlafend im Bett liegt.
Es gibt tausende Gründe, warum ich genervt bin - und leider lass ich es manchmal an Menschen aus, die nichts dafür können. Dann schreie ich und tobe oder ich ziehe mich zurück.
Egal  für welche Art ich mich entscheide, ich fühle mich nur selten gut dabei.
Wenn ich meine Kinder anschreie, habe ich das Gefühl, die schlechteste Mutter auf der ganzen Welt zu sein, weil ich sie anschreie und gleichzeitig werde ich so wütend, weil sie mich in der kindereigenen Art dazu bringen zu schreien und ich es nicht anders schaffe, sie zu irgendetwas zu bringen, dass ich noch mehr schreie.
Wenn ich mich von Leuten zurückziehe, die ich nicht verstehe oder über die ich mich geärgert habe, dann denke ich mir, ich sollte ihnen eigentlich sagen, was los ist - und gleichzeitig habe ich keine Lust, ständig meinen Standpunkt klar zu stellen und zu verteidigen. Ich will einfach gerade nicht. Und dabei komme ich mir sozial völlig inkompatibel und inkompetent vor. Eigentlich würde ich gerne Winterschlaf machen. Im November langsam den sozialen Rückzug antreten und erst im März wieder auf der Bildfläche erscheinen. Zwischendrinnen nur Kontakt zu Menschen haben, die ich gerne mag und die mich gerne mögen...Aber das ist leider in meinem Leben so nicht vorgesehen.

Insgesamt ist das Genervt-sein aber kein Zustand, der auf Dauer gut ist. Weder für mich noch für die Menschen in meinem Umfeld. Es muss sich also etwas ändern. Wohlgemerkt, ich erwarte nicht, nie mehr genervt zu sein. Das wäre nicht ich (so weit kann ich auf meinem Weg zum Zen gar nicht fortschreiten). Aber weniger und dann so, dass ich es noch im Griff habe.
Ein Punkt, der sich ändern wird, ist, dass ich spätestens Ende Juli meinen Zweitjob im Kindergarten aufhören werde. Er nimmt mir einfach zu viel Zeit, die ich auch mal für mich selbst brauche. Und die anfangs so positive Tatsache, dass es 12 klar planbare Stunden sind nimmt mir insgesamt leider die Flexibilität für meine andere - sehr flexible - Tätigkeit. Das führt dazu, dass meine Arbeitstage zum Teil 12 und 13 Stunden ohne Pause dauern und ich nur noch von Termin zu Termin hetze. Dafür, dass ich "eigentlich" nur in Teilzeit arbeite ist mir das einfach zu heftig.
Also suche ich mir eine andere Tätigkeit mit weniger Stundenumfang (und evtl. höherem Stundenlohn), die ich besser mit meiner flexiblen Ersttätigkeit kombinieren kann.
Ein weiterer Punkt, der sich ändern wird ist, dass ich wieder mehr auf mich schauen werde. Mich mehr mit Freunden treffen, einfach mal auf nen Kaffee oder zum Ratsche -. was zur Zeit einfach rein zeitlich gar nicht möglich ist.
Auf meine Agenda kommt außerdem (ab Frühjahr) wieder mehr spazieren gehen. Momentan ist es mir um fünf oder sechs einfach zu dunkel - aber wenn es wieder heller wird, muss das unbedingt sein. Vielleicht schrumpft dann auch das übermäßige Fettpolster etwas.
Außerdem will ich unbedingt wieder mehr fotografieren. Wahrscheinlich schenke ich dieses Jahr einfach allen Leuten Fotogutscheine, dann ergibt sich das von selbst.... Fotografieren ist nämlich tatsächlich entspannend - weil man da rauskommt und sich wirklich auf etwas konzentrieren muss - sonst werden es geknipste Fotos aber keine Bilder...

Als ersten Schritt werde ich jetzt erst Mal zwischen dem 24.12 und dem 8.1. nur einen einzigen Tag arbeiten. Und den nur kurz. Auf diese Auszeit freue ich mich wahnsinnig, weil ich sie brauche. So viel Zeit mit meinen Lieben verbringen, dass ich mir ab und zu Auszeiten alleine nehmen kann, ohne dass ich ein schlechtes Gewissen habe, weil ich eh so viel nicht da bin und mir daher eine Stunde (oder mehr) alleine kaum zugestehe.

Mein Wunsch für 2016 ist daher ganz einfach: Zeit. Für mich, für andere, für meine Familie, für Ruhe, für Entspannung, für Aufregung und Überraschung, für Neues und Altes, für Leben.

Ich habe in meinem Facebook-Adventskalender heute ein Gedicht von Elli Micheler gepostet, das wunderbar dazu passt und mit dem ich diesen Post für heute beenden möchte:

Ich wünsche Dir Zeit
Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche dir Zeit, dich zu freun und zu lachen,
und wenn du sie nützt, kannst du etwas draus machen.
Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche dir Zeit – nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.
Ich wünsche dir Zeit – nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie möge dir übrig bleiben
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun,
anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.
Ich wünsche dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.
Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.
Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche dir: Zeit zu haben zum Leben!
(Elli Micheler)


Donnerstag, 1. Oktober 2015

Die Sache mit der Konsequenz

Ich habe ja das Gefühl, dass "Konsequenz" DAS Erziehungsdogma der letzten Jahre ist. Jeder spricht davon (ähnlich wie von "Bindung") - und trotzdem kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass nicht alle vom selben reden.
In meiner Arbeit in den Familien höre ich oft: "Ich bin aber doch konsequent und trotzdem klappt es nicht. Ich schicke ihn immer in sein Zimmer." oder "Wenn die Schule sich meldet, dass ewtas fehlt, kann Sie ihr Taschengeld vergessen, da sind wir ganz konsequent."
Klingt im ersten Moment ja tatsächlich wahnsinnig konsequent, aber ist es das wirklich?
Ist es wirklich konsequent, auf X verschiedene Verhaltensweisen des Kindes starr mit einer "Konsequenz" zu reagieren? Oder ist das vielmehr einfallslos - oder auch hilflos?
Viele haben noch im Kopf "Konsequenz muss weh tun, sonst lernt man nicht draus." Ich glaube vielmehr, Konsequenz muss SPÜRBAR sein - wie auch immer. Und je natürlicher sie ist, desto mehr lernt man daraus.
Klassisches Beispiel: Wenn ein Kind seine Jacke nicht anziehen will, obwohl ich ihm 100 Mal erklärt habe, dass es kalt ist, kann ich es ins Zimmer schicken. Oder ich kann es mit raus nehmen und es stellt fest, es ist kalt. Woraus lernt es wohl eher, beim nächsten Mal nicht mehr über die Jacke zu diskutieren? Und klar: Je nachdem wie alt das Kind ist habe ich natürlich eine Verantwortung dafür, dass es wetteradäquat gekleidet ist. Dann nehme ich die Jacke halt mit und hänge sie im Kindergarten an den Haken.
Manchmal mag auch das Ins-Zimmer-Schicken eine richtige Reaktion sein. Wenn mein Sohn meint, er muss sich am Esstisch benehmen, wie ein kleines Schwein, dann schmeiße ich ihn irgendwann auch raus. Allerdings nicht mit dem Hintergedanken, dass er es dann lernt, weil ich ihn rausschicke, sondern mit dem Hintergedanken, dass ich mich fürchterlich aufregen muss, wenn ich ihm noch länger dabei zusehen muss... Und das ist genau der Punkt: Manchmal muss man sich selbst reflektieren, mit welcher Absicht und Motivation man etwas macht. Wem hilft es? Warum tue ich etwas? Und wenn man ganz ehrlich ist, geht es dabei nicht immer ums Lernen des Kindes....

Ihr seht schon, das mit der Konsequenz ist gar nicht so einfach. Weil es gar nicht einfach ist, es in Worte zu fassen. Denn das, was eigentlich dahinter steckt ist eine Haltung. Da gehört dazu, dass man klar ist, dass man Grenzen wahrt (die eigenen und die des Kindes) und dem Kind Grenzen gibt - und doch gleichzeitig nicht starr wird, sondern flexibel bleibt. Es gehört auch dazu, dass man Fehler zulässt und nicht in die Strafspirale (wenn ein erzieherisches Mittel nicht greift muss ich mehr davon machen, weil es anscheinend noch nicht ausgereicht hat) einsteigt. Es gehört dazu, dass ein Kind weiß, was es zu erwarten hat, wenn es etwas tut oder eben auch nicht tut - und dennoch dem Kind Entscheidungsfreiheiten eingeräumt werden. Und es gehört dazu die Bereitschaft, immer wieder neue Wege auszuprobieren. Und es setzt voraus, dass ich tatsächlich mit meinem Kind in Beziehung gehe. Dass ich bereit bin, manche Kämpfe auszufechten, aber nicht auf jedes Kampfangebot eingehe (das ist der Punkt, der mir zugegebenermaßen am Schwersten fällt). Und wie das bei Kämpfen halt so ist: Man geht nicht aus jedem Kampf als Sieger hervor... Dann muss man sich überlegen, was man beim nächsten Mal anders machen kann (und vielleicht auch, wann man beim nächsten Mal etwas anders machen kann...)
Das alles - und mit Sicherheit noch ganz vieles mehr, das mir jetzt nicht einfällt - gehört dazu. Eine wirkliche Definition ist gar nicht einfach. Dagegen ist es relativ leicht zu sagen, was es eben nicht ist:

Konsequenz ist nicht

  • das Erschaffen eines starren und unveränderbaren Regelkonstruktes. Das Leben verändert sich, Heute ist anders als gestern war oder morgen sein wird. Von fast allen Regeln muss es auch mal Ausnahmen geben dürfen. Es muss nur klar sein, was die Regel und was die Ausnahme ist.
  • das Anwenden immer der selben Reaktion auf jegliches Verhalten. "Konsequent" heißt nicht umsonst "folgerichtig". Folgerichtig impliziert, dass sich etwas als logische Folge zu etwas anderem ergibt.
  • der Zwang, immer und überall konsequent zu sein. Wie gesagt: Es darf Ausnahmen geben. 
  • die Verpflichtung, alles zu regeln und zu ahnden. Man sollte sich genau überlegen, welche Dinge man tatsächlich regeln muss (da dann aber auch bereit sein, die Einhaltung zu verlangen).
  • ein Immer-mehr an Strafe, wenn  etwas nicht funktioniert, sondern eher die Bereitschaft, mal etwas anderes zu probieren.
Ganz besonders wichtig ist, dass man über das "konsequent sein" das Leben nicht vergisst! Gönnt Euch auch eine Prise Inkonsequenz in Eurem Leben. Sowohl bei Euch selbst als auch im Umgang mit Euren Kindern.

"Vollkommen konsequent vermag ohne Schaden nur ein Wesen zu handeln, welches vollkommen weise und heilig ist." Wilhelm Roscher

Samstag, 6. Juni 2015

seid, wie ihr seid

Sophia Loren sagte einmal: "Ganz und gar man selbst zu sein, kann schon einigen Mut erfordern."
Aber warum ist das so? Warum ist uns allen oft so wichtig, was andere von uns denken, was andere meinen, wie wir sein sollten, was andere von uns erwarten und gleichzeitig so unwichtig, was wir selbst denken und meinen und erwarten?
Sicherlich ist es schön, gemocht zu werden. Mir ist es auch lieber, in angenehmer Atmosphäre entspannt mir Freunden zu plaudern, als ständig überall anzuecken. Wenn das aber voraussetzt, dass ich mich verbiegen muss und permanent überlegen muss, was "man" von mir erwartet, dann ist das doch nicht mehr entspannt, oder?
Ich finde es schade, dass es so viele Menschen gibt, denen es scheinbar so schwer fällt, zu sich selbst zu stehen. Bei denen man den Eindruck hat, als ob sie wie kleine Roboter Antennen ausgefahren hätten um zu bemerken, was von ihnen erwartet wird. Die sich oft bis zur Unkenntlichkeit zurücknehmen, nur um ja beliebt zu sein. Die heute diese und morgen jene Rolle spielen, um Everybody's Darling zu sein und sich selbst dabei völlig aus den Augen verlieren.
Interessanterweise gibt es das nicht nur bei "angenehmen" Verhaltensweisen, also, dass jemand versucht, immer nett und adrett und fleißig zu sein, sondern auch bei anderen Erwartungshaltungen. In meiner Krebszeit sind mir einige Menschen begegnet, die versucht haben, den Erwartungen an sich als Krebskranke gerecht zu werden. Das heißt: Krank sein, leiden, Angst haben, ...
Bitte versteht mich jetzt nicht falsch. Ich weiß, dass jeder Mensch anders ist, ich weiß auch, dass es leider Menschen gibt, die tatsächlich wesentlich mehr unter Nebenwirkungen oder Krankheitserscheinungen zu leiden haben, als ich es je hatte. Und sind wir ehrlich: Ja, jede(r) von uns hat Angst. Immer wieder, mal mehr, mal weniger. Aber manchmal habe ich das Gefühl, einige geben sich gar nicht mehr das Recht, dass es ihnen gut geht. Schließlich haben sie ja Krebs. Da darf man nicht nicht-Leidend sein. Weil andere von einem erwarten, dass man in einer furchtbaren Lebenssituation steckt und deshalb gefälligst zu leiden hat. DAS finde ich bedenklich.
Ich lese immer wieder Artikel, in denen es darum geht, dass das Leben nie mehr so sein wird, wie vor der Diagnose. Und ich glaube für mich, dass da der Denkfehler liegt.
Kein Leben - egal ob mit oder ohne Krankheit - wird morgen noch so sein wie heute oder übermorgen wie gestern. Oder auch: Auch in einem Leben mit Krebs wird es Tage geben, die sind wie vor der Diagnose und andere. Es mag Momente oder vielleicht sogar Tage, Wochen, Monate geben, ohne einen Gedanken an Krebs oder Angst davor. Und es wird Zeiten geben, in denen die Angst sich wie eine Klammer ums Herz legt. Aber wir müssen uns das Recht geben, auch diese anderen Zeiten zu haben..
Natürlich kann man auch das nicht über einen Kamm scheren: Das Leben des einen ändert sich stärker als das des anderen. Und genau darum geht es: Es gibt keine allgemeingültigen Aussagen, die für alle zutreffen. In den seltensten Fällen, egal worum es geht. Und deshalb muss man sich auch nur sehr, sehr selten danach richten, was andere von einem erwarten, weil andere vielleicht das völlig falsche Bild für einen selbst im Kopf haben. Eines, das auf ihren Erfahrungswerten und ihrer Geschichte basiert und somit nicht zwangsläufig (oder wenn wir ehrlich sind sogar nur sehr selten) auf mich zutreffen muss.
Statt desssen sollten wir uns alle viel öfter das Recht nehmen, darauf zu hören, was WIR wollen, wie es UNS geht, was WIR erwarten. Einfach nur WIR SELBST sein. Denn Freunde sind die, die uns so mögen, wie wir sind. Die es schaffen, uns zu sagen, was sie an uns nicht so gerne mögen, ohne uns dabei die Klatsche zu geben und uns zu verletzen. Die, die ertragen, dass wir manchmal nicht in die erwartete Form passen. Die, die uns dabei unterstützen, unseren Weg zu gehen - nicht ohne Rücksicht auf Verluste, aber immer erst Mal mit dem Ohr nach innen zu der eigenen Meinung und dann erst nach Außen zu der von anderen. Diese Menschen sind die wertvollsten und nicht die, die uns fallen lassen, sobald wir nicht mehr so sind, wie sie uns gerne hätten.

Ich habe mit Sophia Loren begonnen und ende mit Steve Jobs, dem Mitbegründer von Apple, der das Ganze nämlich wunderbar auf den Punkt bringt:
"Ihre Zeit ist begrenzt, also verschwenden Sie sie nicht damit, das Leben eines anderen zu leben. Lassen Sie sich nicht von Dogmen in die Falle locken. Lassen Sie nicht zu, dass die Meinungen anderer Ihre innere Stimme ersticken. Am wichtigsten ist es, dass Sie den Mut haben, Ihrem Herzen und Ihrer Intuition zu folgen. Alles andere ist nebensächlich."


Dienstag, 21. April 2015

Von Idioten umzingelt

Prinzipiell bin ich ja der Meinung, dass man - wenn man der Meinung ist, dass außen rum lauter Deppen sind - mal einen klitzekleinen Gedanken daran verschwenden sollte, ob der Depp nicht eigentlich in der Mitte sitzt. Manchmal darf man aber durchaus zu dem Schluss kommen, dass dem nicht so ist. 
Ich komme gerade immer wieder an den Punkt, dass ich ob der Dummheit einiger Mitmenschen nur noch den Kopf schütteln kann. Wobei sich "Dummheit" nicht mit niedrigem IQ gleichsetzen lässt. Manchmal kann ich mich tatsächlich des Gefühls nicht erwehren, dass die Idioten derzeit geradezu aus dem Boden schießen wie Pilze im Spätsommer.
Und in vielen Gesprächen mit verschiedenen Leuten musste ich feststellen: Es geht nicht nur mir so.
Dabei treibt der Wahnsinn verschiedenste Blüten.
Da wird man gerne mal mit: "Stimmt das eigentlich, dass Du Krebs hast? Meine Oma/Schwester/Tante/Bekannte meines Freundes/... ist daran ja gestorben... Schlimm, schlimm, aber ich habe ja letztens erst gelesen, dass das alles ernährungsbedingt ist. ICH ernähre mich ja jetzt vegan/vegetarisch/gesund/ausgewogen/ketogen/gar nicht mehr ........" begrüßt. 
Als Schwangere bekommt man die Geschichten der 38-Stunden-Wehen-Saugglocken-Horror-Geburt der Schwippschwägerin des ehemaligen Nachbarn der Oma ins Knie geschraubt oder die kaum erträglichen Symphysenschmerzen der eigenen, sehr beschwerlichen Schwangerschaft.
Bekommt man ein zweites, drittes oder gar viertes/fünftes/sechstes Kind heißt es: "Habt ihr keine anderen Hobbys?" - kriegt man keine Kinder (ob gewollt oder ungewollt) heißt es: "Wann gibt's jetzt endlich Kinder?" - egal, was man macht, wie man etwas macht oder was auch immer im Leben passiert - es gibt Menschen, die sich bemüßigt fühlen, einen unglaublich wertvollen Kommentar dazu abzugeben. 
Jetzt bin ich ja die Letzte, die Mensche Vorwürfe wegen ihrer Hilflosigkeit oder Angst macht. Aber vor dem Reden das Hirn einschalten und sich überlegen, ob man selbst in der Situation exakt diesen Kommentar oder diese Geschichte hören will könnte unter Umständen helfen. Denn sind wir ehrlich: All die oben genannten Beispiele sind verletzend und übergriffig. Keiner will sich das anhören - und erst recht nicht in der Situation.
Doch der Irrsinn ist damit noch lange nicht an seinen Grenzen. Nein...
Da gibt es Menschen, die leihen sich von anderen netten Menschen ein Auto - angeblich, um nur kurz etwas Größeres zu transportieren, das ins eigene Auto nicht reinpasst. Das geliehene Auto wird dann erst nach mehreren Aufforderungen und wesentlich längerer Leihzeit zurückgegeben und im Nachhinein stellt sich heraus, dass der Leiher a) damit im Ausland war, b) keinen gültigen Führerschein besitzt und c) das Auto leider kaputt gemacht hat und sich jetzt d) weigert, den entstandenen Schaden zu zahlen, weil er genau weiß, dass der Entleiher nichts machen kann, ohne selber dran zu sein....
Oder man zahlt einfach mal die Rechnung für erhaltene Leistungen nicht, wird gerichtlich dazu verdonnert, zahlt immer noch nicht und rechnet damit, dass der Gerichtsvollzieher sich damit abspeisen lässt, dass man das ganze in 12 Monatsraten abstottert - obwohl man Eigentum hat, das weit über allen Pfändungsgrenzen liegt. Den Gläubigern erzählt man das natürlich auch noch nach dem Motto: "Spiel das Spiel nach meinen Regeln, sonst kriegst Du Dein Geld vielleicht in kleinen Monatsraten irgendwann oder auch gar nicht, weil ich mache das, wie ich will...."
Lauter Beispiele dafür, dass der Wahnsinn um sich greift, oder sehe ich das falsch? 
Kann mir bitte einer erklären, wann die Welt so verrückt geworden ist? Wann wurden die Menschen so a-sozial?
Wann haben wir angefangen, zu sagen: 150 Tote = kein Mensch mit Depressionen darf mehr in irgendeinem Beruf arbeiten, in dem er anderen gefährlich werden könnte (obwohl die deutliche Mehrzahl der Depressiven nur sehr bedingt fremdgefährdend ist), 400 Tote an einem Tag, immer und immer wieder = Gott sei dank weniger Asylsuchende in unserem Land?
Oder war das tatsächlich schon immer so und nur ich habe meine rosarote Brille verloren? 

Wie auch immer: Mein Appell an alle ist: 

Erst denken, dann reden. Und wenn einem wirklich gar nichts außer Blödsinn einfällt: einfach mal die Klappe halten. Tut nicht weh, kostet nichts, hilft aber oft ungemein. 
Und ansonsten: Wir sind zwar der Nabel unser eigenen kleinen Welt, aber keiner ist der des Großen und Ganzen. Nehmt Euch doch alle nicht so wichtig und denkt ab und zu mal an die anderen. Kostet vielleicht mal ein bisschen Überwindung, unter Umständen auch ein wenig Geld - aber wenn das, was in Kindergarten und Schule so hochtrabend als "Soziale Kompetenz" gefördert wird dann im Erwachsenenleben überhaupt nicht mehr gefragt ist, wirds glaube ich ganz schön eng für uns Menschen auf dieser Erde...

Sonntag, 25. Januar 2015

R E S P E C T

Geht es Euch eigentlich auch so, dass ihr es müde seid, ständig irgendwelche Horrormeldungen über Terroranschläge, Pegida, Islamisierung, Flüchtlingsströme, Bootskatastrophen, Kriegsgebiete und was es sonst noch alles in den Medien gibt, zu hören?
Was ist denn bitte schön mit den Menschen los?
Man darf auf der einen Seite sein Kind nicht anschreien, selbst wenn es Bockmist gebaut hat, weil man sich nicht "respektlos" gegen sein Kind verhalten darf - aber auf der anderen Seite wird gegen Flüchtlinge demonstriert, weil "sie" angeblich unser Land überrollen und uns ausnehmen wie eine Weihnachtsgans. Die gleichen Menschen, die im ersten Fall drohend den Zeigefinger heben, stehen im anderen Fall mit Pegida auf der Straße. Wo bleibt denn da der Respekt?
Der Respekt vor dem anderen als Lebewesen, der Respekt vor dem Recht auf Leben?
Immer wenn ich über Respekt nachdenke, singt Aretha Franklin in meinem Kopf "R E S P E C T".
Eigentlich wäre es so einfach, oder? Wenn jeder dem anderen den selben Respekt entgegenbringen würde, wie er selbst erwartet - dann müsste das doch funktionieren?
Aber was ist Respekt eigentlich?
Für mich bedeutet "Respekt" zum einen, jemand anderen ein bisschen für etwas zu bewundern, was derjenige geleistet hat und demjenigen damit in einer Art Ehrerbietung gegenüberzutreten. Diese Art von Respekt meine ich aber momentan gar nicht. Auf der anderen Seite heißt Respekt einfach, den anderen so sein zu lassen, wie er ist - auch wenn er anders ist, als ich. Wer gibt mir das Recht, zu sagen, wie jemand sein muss? Solange damit niemand anderes gefährdet oder verletzt wird, kann jeder tun und lassen, glauben oder nicht glauben, was er will. Da ist es völlig egal, aus welchem Land man kommt oder welche Hautfarbe man hat.
Nicht jeder, der "Neger" sagt ist respektlos und nicht jeder, der (politisch korrekt) von "stark pigmentierten Menschen" oder "Menschen afrikanischer Herkunft" spricht, ist respektvoll gegenüber eben diesen Menschen. Aber wieviel einfacher ist es doch, sich an derartigen Kleinigkeiten aufzuhängen und sich darüber Gedanken zu machen, wie man etwas "richtig" formuliert, als sich Gedanken über sein eigenes Handeln und seine Haltung zu machen.
Ich hab in letzter Zeit auch in meinem eigenen Umfeld Respektlosigkeiten erlebt, die mich zum Teil einfach sprachlos gemacht haben (wohlgemerkt: ich und sprachlos.....). Und das zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten und Berufsgruppen. Sogar im sozialen Bereich, wo man eigentlich meinen sollte, diese Menschen haben es gelernt, respektvoll mit anderen umzugehen - Fehlanzeige.
Ich fürchte fast, das Internet leistet dem Ganzen noch Vorschub. Hier fühlt sich jeder frei, anderen Dinge an den Kopf zu hauen, die er (so hoffe ich zumindest) im wirklichen Leben nicht über die Lippen bringen würde.
Mein Aufruf für heute ist deshalb ganz einfach:
Geht RESPEKTVOLL miteinander um - ganz egal, wer Euch gegenüber steht. Versucht es zumindest erst einmal. Wenn sich herausstellen sollte, dass Euer Gegenüber ein Arschloch erster Kajüte ist, bei dem Hopfen und Malz verloren ist, dann zieht Eure Grenzen - aber selbst das geht noch mit einem Funken Anstand. Respektvoll miteinander umgehen heißt nämlich nicht, die Welt in Watte zu packen und die rosa Brille aufzusetzen. Man muss trotzdem nicht jeden mögen. Auf der anderen Seite muss man nicht sofort mit dem Vorschlaghammer draufhauen, nur weil man jemanden nicht mag. Man kann auch einfach seine eigenen Grenzen wahren und den anderen in Ruhe lassen/aus dem Weg gehen.
Damit wären immer noch nicht alles Streitereien und Kriege ausgeschalten - aber ich glaube trotzdem, dass es die Welt ein bisschen freundlicher machen würde.

Donnerstag, 1. Januar 2015

die Sache mit dem ersten Stein

In der Bibel heißt es: "Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein." (Johannes 8,7).
Bisher habe ich das immer so verstanden, dass man nicht über andere richten soll und dass man sich immer wieder Mal bewusst machen sollte, dass man selbst ja auch nicht immer alles richtig macht.
Seit heute frage ich mich, ob nicht auch noch eine andere Deutung möglich ist. Könnte es nicht auch heißen,  dass man sich vor dem Werfen des Steines auch Gedanken machen sollte, was man selber so an Dreck vor der Türe hat? Falls der andere wider Erwarten das Gesteinigt werden nicht ohne Gegenwehr auf sich nimmt und zurück wirft? Quasi als Äquivalent zum bayerischen "Hau her, wenn du das Echo vertragen kannst."?
Und wie viele Steine muss man ertragen, bis man zurück werfen darf oder sogar soll? Wie viel muss man sich denn gefallen lassen? Das ist eine Frage, die man sich in vielen Bereichen des Lebens stellen muss. Wieviel "Wange hinhalten" sollte man z. B. seinen Kindern beibringen?  Ab wann darf man sich wehren? Ab wann gilt der eherne Grundsatz, dass man niemandem anderen weh tun darf nicht mehr?
Ihr erinnert euch, dass mein Vorsatz für 2015 ja war, auf mein Bauchgefühl zu vertrauen. Vielleicht ist das auch in diesem Fall der beste Ratgeber. Für mich ist die Grenze z. B, definitiv überschritten,  wenn jemand meine Familie bedroht oder angreift. Sowohl tätlich als auch metaphorisch. Sollte jemand das tun, sollte er sich vorher gut überlegt haben, wo er selbst angreifbar ist. Und zwar BEVOR er den ersten Stein wirft...

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Jahreswechsel oder Zeit für Vorsätze...

Ihr kennt das - jedes Jahr zum Jahreswechsel nimmt man sich die tollsten Sachen vor, nur um sie zwei Wochen später schon wieder zu brechen. Wer kennt sie nicht, die Listen mit Vorsätzen, bei denen man eigentlich nur die Jahreszahl oben auswechseln müsste. Angefangen von "mehr Sport treiben" über "weniger Schokolade essen" bis hin zu "aufhören mit dem Rauchen" sind es doch irgendwie immer die selben Vorsätze. Gut, ich rauche nicht, ich kann den letzten also abhaken - aber ihr wisst, worum es geht.
Ich habe schon vor ein paar Jahren mit den guten Vorsätzen aufgehört. Funktionieren bei mir nicht. Bin ich zu inkonsequent dafür...
Aber für Euch mache ich eine Ausnahme und stelle hier eine Liste meiner Vorsätze und Wünsche fürs nächste Jahr auf.
- Ich will möglichst oft Freunde treffen und nehme mir hiermit vor, mindestens 5 Freunde zu besuchen, die ich im letzten Jahr nicht oder definitiv zu selten besucht habe.
- Im Zuge des Internetzeitalters wünsche ich mir, dass die Menschen erst mal überlegen, bevor sie etwas schreiben/posten/kommentieren. Einfach mal drüber nachdenken, ob man den Inhalt tatsächlich so verteilen möchte. Schön wäre auch, erst nachzudenken, ob man etwas dem anderen auch direkt so ins Gesicht sagen würde oder ob man sich das nur traut, weil das Internet so herrlich unpersönlich und anonym ist. Falls man an den Punkt kommt, dass man das nie so sagen würde: Umformulieren oder einfach mal gar nichts schreiben. Man muss ja nicht krampfhaft alles kommentieren.
- Ein weiterer Vorsatz ist, wieder etwas entspannter zu werden. Aufgrund der plötzlichen und massiven hormonellen Entgleisung bin ich im letzten Jahr oftmals etwas angespannt. Ich nehme mir hiermit also vor, erst mal in Gedanken zwei Strophen des "Hallelujah" vor mich hinzusingen, bevor ich lospoltere. Alternativ auch ein Stück von "Was hat das Känguruh in seinem Beutel"...
-  Im Jahr 2015 möchte ich mindestens einmal pro Woche jemanden positiv überraschen. Egal ob durch einen spontanen Anruf, eine liebe Karte, eine Kaffee-Einladung oder den fehlenden 10 Cent an der Kasse. Das mache ich zwar jetzt auch schon, aber ich will es 2015 bewusst und noch öfter tun.
- Ein großer Brocken für 2015 wird die Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie. Darauf freue ich mich richtig, weil mein Hirn wieder richtig viel Input bekommt - nur vor der Prüfung graust es mir richtig. Aber vielleicht schiebe ich die einfach auf 2016...
- Ich nehme mir hiermit ganz fest vor, ein paar Fachbücher zum Thema "Fotografie" zu lesen und auch den einen oder anderen Workshop zu besuchen, weil ich diesen Bereich einfach für mich gerne etwas vertiefen will.
- In Bezug auf meine Jobs nehme ich mir vor, gute Arbeit zu leisten und dabei darauf zu achten, dass ich meine Grenzen wahre und auf mein Bauchgefühl vertraue. Das hat mich bisher selten getrogen. Und bei allem Helfersyndrom kann ich schließlich nicht hilfreich sein, wenn ich mich selbst dabei verliere oder übernehme. Daher werde ich versuchen, mich auch hier nicht aus den Augen zu verlieren.
- Für meine Familie nehme ich mir vor,  einige erinnernswerte Momente mit ihnen zu verleben. Es steht schon mindestens ein Zoobesuch auf dem Plan und ein Besuch in der Puppenkiste und an der Urlaubsplanung sind wir auch schon dran. Daneben wird es noch viele Spaziergänge am Lech, ins Bombenloch oder an die Weiher geben. Normales Familienleben halt. Ich möchte weiterhin hinter meinen Kindern stehen und für sie da sein, wenn sie mich brauchen, ich will mit meinem Mann eine Partnerschaft auf Augenhöhe führen und mit allen vieren eine Menge Spaß haben.

So, das sind genügend Vorsätze, Wünsche und Ziele für ein Jahr, oder?
Ich wünsche Euch allen ein Jahr voller Glück, Gesundheit und Freude, mit Menschen an Eurer Seite, auf die Ihr Euch verlassen könnt. Ein Jahr mit wenigen Schattentagen und viel Sonne. Ein Jahr mit wenig Tränen und voller Lachen. Ein gutes Jahr.
In diesem Sinne: Passt auf Euch auf - und ich würde mich freuen, wenn ihr auch im nächsten Jahr noch weiterlest.
Viel Spaß heute abend.


Freitag, 19. Dezember 2014

besinnlicher Weihnachtsstress?

Ich bin ja überzeugter Bayern2-Hörer, weil mich Musikradio meist nach relativ kurzer Zeit nervt und ich somit wenigstens noch ab und zu was von der Welt mitbekomme.
Heute ging es ums Thema "Weihnachten". Da berichtetet heute eine Frau davon, dass sie Weihnachten eigentlich liebt, aber da sie und ihr Mann von den Herkunftsfamilien weggezogen seien, wäre es mittlerweile der reinste Stress, weil das Besuchen der Familien mit mehrstündigen Autofahrten verbunden sei aber alle unbedingt an den Feiertagen zu besuchen seien. Dieses Jahr wollten sie diesem Stress entkommen und hätten über Weihnachten Urlaub gebucht - mit dem Erfolg, dass sie jetzt am Wochenende vorher den selben Marathon absolvieren.
Ich kenne ganz viele Menschen, die Weihnachten als puren Stress erleben. Als Zeit großen Drucks, das "perfekte" Fest zu gestalten. Als Zeit der Hetze - von einer Weihnachtsfeier zur nächsten, von einem Geschäft ins Nächste... Als Zeit mit extremem Streitpotential - angefangen vom Essen über die Deko über den Schmuck des Weihnachtsbaums bis hin zu den Geschenken und der Gästeliste, alles Dinge über die es sich trefflich streiten lässt. Als Zeit enttäuschter Wünsche und Erwartungen. ...
Ich kenne auch ein paar bekennende Weihnachtshasser, die offen zugeben, mit dem christlichen Hintergrund des Festes, dem Konsum, dem krampfhaft-kuscheligen Heile-Welt-Familien-Fest nichts am Hut zu haben.
In Anbetracht der zwiespältigen Gefühle, die offensichtlich viele beim Gedanken an Weihnachten haben, stellt sich schon die Frage, wieviele Menschen tatsächlich "besinnliche Weihnachten" erleben.
Ich persönlich liebe Weihnachten. Ich habe weder Stress mit der Vorbereitung, noch mit der Gästeliste, noch mit dem Essen noch mit den Geschenken. Ich freue mich jetzt schon auf die drei Festtage mit meiner Familie, auf die Messe, auf das Drum-Herum, auf die Geschenke, auf die Freude und die Spannung der Kinder - einfach auf alles.
Und ich frage mich, warum sich so viele Menschen einen derartigen Stress machen. Im Endeffekt ist es doch völlig egal, für welches Menü ich mich entscheide. Man kann doch sogar mit einer Curry-Wurst einen perfekten Abend haben. Es geht doch auch nicht darum, wie viel ein Geschenk kostet um es zum perfekten Geschenk zu machen.
Warum ist es gerade zu Weihnachten so schwer, seine eigenen Grenzen zu ziehen und zu wahren? Warum meint man gerade an Weihnachten, dass man die Erwartungen und die (oft unausgesprochenen) Anforderungen der anderen erfüllen muss? Wieso hat nicht jeder ein Recht auf sein eigenes perfektes Weihnachten?
Für mich ist

  • das perfekte Essen das, das dem Koch/der Köchin nicht mehr Zeit raubt, als er/sie hat und das ihm/ihr Spaß macht zu kochen, egal ob es die Würstchen sind oder die Ente oder der Braten.
  • der perfekte Gast der, der gerne zu mir kommt, der freiwillig kommt und die Zeit mit mir/uns verbringen will
  • das perfekte Geschenk das, das mir zeigt, dass sich jemand Gedanken gemacht hat, was mir gefallen könnte, nicht das, das am meisten gekostet hat. Es kann auch ein Päckchen Nähmaschinennadeln für 5 Euro, ein Satz Gitarrensaiten für 7 Euro oder ein Buch für 9 Euro sein. Das Ganze irgendwie verpackt, damit ich beim Auspacken noch ein bisschen Spannung habe - und fertig ist das perfekte Geschenk.
Ich wünsche Euch allen, dass Ihr Euch gerade an Weihnachten nicht verbiegen müsst, sondern ein Fest nach Euren Wünschen und Vorstellungen erleben dürft.
Ich wünsche Euch eine stressarme Zeit zwischen den Jahren und die Möglichkeit, ein bisschen abzuschalten und Stress ab- statt aufzubauen.
Ich wünsche Euch einen guten Start in ein supergutes, gesundes, überraschendes, positives, erfolgreiches und überragendes Jahr 2015, das Euch die Möglichkeit gibt, zu leben, Euch zu entwickeln, neue Dinge zu erleben und Freundschaft zu erfahren. Ein Jahr mit Momenten fürs persönliche Fotoalbum.
In diesem Sinne:



Freitag, 12. Dezember 2014

Gott und der Glaube und die Welt

Ich habe mich heute mit jemandem unterhalten, der ein ordentliches Päckchen zu tragen hat - wie ja ziemlich viele Menschen. In dem Gespräch kamen wir auch auf den Glauben zu sprechen und er erzählte mir, dass er sehr gläubig sei und diese Prüfung von Gott annehme.
Über diesen Satz denke ich jetzt schon die ganze Zeit nach. 
Ich bin durchaus auch ein gläubiger Mensch. Ich glaube an Gott. Nicht an die Kirche, aber an ein höheres Wesen, eine höhere Macht. Ich finde es beruhigend, zu glauben, dass es "über mir" noch "etwas" gibt, dass ich als Mensch nicht alleine bin.Mir hilft die Zwiesprache mit Gott, mich zu fokussieren, meine Gedanken zu sortieren, mich zu sammeln. In Zeiten großer Angst oder starker Anspannung schicke ich Stoßgebete zum Himmel und nicht wenige davon wurden auch "beantwortet". Mag sein, dass die jeweiligen Ereignisse auch ohne einen Gott eingetreten wären - mag auch nicht sein. Wer weiß das schon? Unabhängig davon, hilft es mir in der jeweiligen Situation, nicht völlig zu verzweifeln.
Mir gefällt auch das Konzept der Religion. Weil ich Religion als Regelwerk verstehe, das die Grundsätze des menschlichen Zusammenlebens klar definiert. Und da denke ich, dass die christliche Religion auch nicht schlechter ist, als andere. Grundsätze wie Nächstenliebe, Hilfe für Notleidende und das Gebot nicht zu stehlen oder gar zu töten sind durchaus hilfreich für ein gutes Zusammenleben. Auch die Aufforderung, nicht sich selbst als Zentrum allen irdischen Seins zu sehen, sondern etwas anderem, Wichtigeren - eben diesem "höheren Wesen" diesen Platz zu überlassen hat viel für sich.
Mag sein, dass mich die Tatsache, dass ich glaube in der heutigen Zeit schon als extrem altmodisch oder zurückgeblieben kennzeichnet. Wenn dem so ist, bin ich wohl altmodisch. Und ich stehe dazu.
Ich versuche, ein guter Christ zu sein. Was mich nicht unbedingt zu einem guten Katholiken macht. Ich brauche zum Glauben weder eine Kirche noch eine Messe. Ich gehe gerne in Kirchen, ich genieße die Ruhe und manchmal auch die Akkustik in Kirchen, ich bewundere die Schaffenskraft und die Kunstfertigkeit der Menschen und Künstler, die diese Bauwerke geschaffen haben - aber ich fühle mich Gott dort nicht näher als im Freien unter einem Baum. 
Aber zurück zum Anfang:
Ich glaube an Gott, aber ich glaube nicht, dass er mich mit meiner Erkrankung prüfen wollte. Wenn Gott mich prüfen wollte, würde er mir jeden Tag zwei Zeugen Jehovas vorbeischicken, die mit mir über meine Glauben sprechen wollten... Ich glaube nicht, dass Gott sich überlegt, wie er uns traktieren und prüfen kann. Welchen Sinn sollte das auch haben? Außer er wäre tatsächlich ein gelangweilter alter Mann, der in der Ewigkeit sitzt und nichts Besseres zu tun hat, als kleine Menschen mit möglichst fiesen Dingen zu quälen, dann könnte man sich vielleicht einen Sinn darin vorstellen. Aber sonst? Und wer glaubt an solch einen Gott?
Ich glaube daran, dass mir mein Leben geschenkt wurde. Mit allem was darin gut und was darin nicht so rosig ist. Ich glaube, dass das Leben immer Licht- und Schattenseiten hat. Und ich glaube, dass niemand ohne die Schattenseiten durchs Leben kommt.
Ich glaube, dass jeder von uns sein Päckchen zu tragen hat - manche ein offensichtlicheres und manche eines, das man von außen nicht sehen kann - und trotzdem ist es da. Ich kann mir ein Leben ohne Stolpersteine nicht vorstellen - und wenn ich versuche, scheint es mir unsäglich langweilig. Außerdem ist meine Erfahrung, dass Menschen, die ein vermeintlich kleines Päckchen bei sich haben, nicht zwangsläufig glücklicher sind als die mit den großen, schweren Brocken.
So, das war jetzt viel Glauben - aber das passt ja zur Vorweihnachtszeit.
Ich wünsche Euch ebensoviel Glauben. Glauben an Euch, an das Gute im Leben und daran, dass es Menschen gibt, die es gut mit Euch meinen. 
Obwohl heute erst Freitag ist war das jetzt mein Wort zum Sonntag. Und zum Schluss noch ein Gedicht, das ihr alle kennt, das aber jetzt so gut hier her passt:

Spuren im Sand
Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel
erstrahlten, Streiflichtern gleich,
Bilder aus meinem Leben.
Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.

Als das letzte Bild an meinen Augen
vorübergezogen war, blickte ich zurück.
Ich erschrak, als ich entdeckte,daß an vielen Stellen meines Lebensweges
nur eine Spur zu sehen war.
Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn:
"Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen,
da hast du mir versprochen,
auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich,
daß in den schwersten Zeiten meines Lebens
nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen,
als ich dich am meisten brauchte?"

Da antwortete er: "Mein liebes Kind,
ich liebe dich und werde dich nie allein lassen,
erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich dich getragen."

Margaret Fishback Powers

Copyright © 1964 Margaret Fishback Powers
Übersetzt von Eva-Maria Busch
Copyright © der deutschen Übersetzung 1996 Brunnen Verlag Gießen. www.brunnen-verlag.de


Mittwoch, 3. Dezember 2014

Adpfent, Adpfent

Offensichtlich bin ich stark suchtgefährdet - und weil ich nicht rauche, trinke, fixe oder kiffe suche ich mir andere Dinge, die ich suchtartig betreiben kann... Momentan ist es das Basteln von Fröbelsternen. Meine Mittlere hab ich damit schon angesteckt. Der Große hat einen gemacht - und danach war er bedient. Wenn wir ehrlich sind ist es tatsächlich ein ganz schönes Gepfriemel, bis man die hat - und für Kinder auch nicht immer leicht, an der richtigen Stelle drunter oder durch zu schieben. Aber unser Bastel-Freak kriegt das echt gut hin. Für den Sohnemann ist es schwieriger, aber er hat auch tapfer durchgehalten. Und die Ergebnisse können sich bei beiden sehen lassen.
 hochkonzentriert
so sieht das beim Falten aus
das Ergebnis
die Blödel-Fraktion
sie können echt nett sein










Außerdem haben wir heute Lebkuchen gebacken - also so richtige Honigkuchen. Morgen kauf ich dann noch Verzier-Zeugs wenn ich heimkomme (also so gegen 18 Uhr) und dann können wir am Freitag noch dekorieren. Mit Zuckerguss und Liebesperlen und Smarties und so Scheiß...
Ich fühle mich echt selten so pädagogisch wertvoll wie in der Weihnachtszeit...

Heute abend gehe ich mit einer ehemaligen Kollegin zu Sabine Asgodon nach Augsburg. Thema: "Die zwölf Schlüssel zur Gelassenheit" - ich bin schon sehr gespannt.
Ich werde Euch dann berichten, wie es war.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen eine wunderbare Adventszeit. Genießt sie!


Sonntag, 23. November 2014

Das (gedankliche) Riesengebirge

Ich habe vorhin mal in Gedanken durchgeplant, was ich morgen und die nächsten Tage so alles machen muss. Dabei kam ich von einem Termin zum nächsten und da muss ich noch hin und das muss ich noch machen - und schon baute sich in meinen Gedanken ein Riesengebirge auf, das kaum mehr zu überschauen war und das mir das Gefühl gab, das nie im Leben schaffen zu können.
Und dann kam mir ein Stück aus Momo in den Sinn, als Beppo Straßenkehrer sagt:

„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt.
Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du?
Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.
Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.“ (Michael Ende)
Den Text hatten wir in unserem Abi-Gottesdienst zum Thema "Wege" auch. Seit ich mich daran erinnert habe, ist alles nicht mehr so schlimm.
Mir ist nämlich klar geworden, dass ich zwar morgen einen neuen Job anfangen werde (ich werde zusätzlich zu meiner jetzigen Tätigkeit noch 12 Stunden pro Woche im Kindergarten arbeiten), dass sich aber sonst nicht viel ändern wird. Ich werde zukünftig halt nachmittags einkaufen gehen müssen - aber einen Job, den ich so leicht mit den Betreuungszeiten meiner Kinder unter einen Hut bringen kann hätte ich wohl kaum noch einmal finden können. Und alles andere wird sich mit der Zeit ergeben.
Mein gedankliches Riesengebirge ist daraufhin in sich zusammengebrochen und krümelt jetzt zu meinen Füßen, wo ich es morgen mittag, wenn ich zu Hause bin, wegsaugen werde.

Wenn ihr auch manchmal so einen Riesenberg vor Euch habt, der Euch lähmt, bei dem ihr überhaupt nicht wisst, wie ihr ihn angehen sollt, denkt immer daran: nur der nächste Schritt, nur der nächste Atemzug, der nächste Besenstrich.

Mittwoch, 12. November 2014

Fremdbild - Selbstbild und die Lücke dazwischen

Ich finde es ja eigentlich immer ganz spannend, wie mich andere Menschen sehen. Was sie von mir halten oder über mich denken. Manchmal finde ich mich in diesen Bildern tatsächlich wieder, manchmal gar nicht.
In der Arbeit war ich z. B. lange Zeit als unglaublich strukturierter Mensch geachtet. So habe ich mich nie gesehen. Bei mir regiert das Chaos - aber in den meisten Fällen habe ich das Chaos halbwegs im Griff. Ich weiß also in meinem Chaos z. B. WO was ist. Wenn ich aufräume heißt das danach immer suchen....
Diese Diskrepanz fand ich immer total spannend. Deshalb liebe ich auch so Spiele wie "Therapy" oder "Personality", in denen es genau um dieses Fremd- und Selbsteinschätzung geht und man unglaublich viel darüber erfährt, was andere von einem denken.
Momentan ist z. B. in der Arbeit der Fokus verschoben auf "immer schlecht gelaunt und nörgelnd". Dabei sehe ich mich so auch nicht. Es mag ja sein, dass mich derzeit Dinge nerven, die mich früher nicht gejuckt hätten, oder die ich früher angesprochen hätte. Nach einem Jahr "draußen" ist es nicht so einfach, Dinge anzusprechen, die einen stören ohne gleichzeitig in den Ruf des Ständig-Nörgelnden zu kommen.
Aber wer hat denn jetzt recht? Ich mit meiner Selbstwahrnehmung oder die anderen mit ihrer Fremdwahrnehmung? Oder beide? Ist es wie bei dem Bild, auf dem man Ente und Hase sehen kann, je nachdem, worauf die Augen springen? Oder die alte und die junge Frau?.


Und wie umgehen, mit dieser Diskrepanz? Als gegeben nehmen und warten, wie es sich entwickelt? Oder ansprechen und damit das Bild des Ständig-Nörglenden festigen? Oder ignorieren und dabei auch über die eigenen Gefühle hinweggehen? Immer wieder stellt sich die Frage: Hab ich da einen blinden Fleck, etwas, das ein Außenstehender also sehen kann, mir aber verborgen bleibt, ich nicht sehen kann oder will?
Alles nicht so einfach.
Ich habe mich für das Klären entschieden - und da ich trotz allem manchmal feig bin und konfliktträchtigen Situationen gerne aus dem Weg gehe, wenn es denn möglich ist, habe ich die Möglichkeit eines Briefes gewählt, um das zu tun. Ich bin ein großer Briefeschreiber und seit jeher von dieser Methode begeistert. Ich kann erklären, was ich meine, ohne, dass jemand anderes emotional dazwischengeht. Ich kann meine Gedankengänge zum Ende bringen und der andere muss nicht sofort reagieren, sondern hat die Möglichkeit, sich über adäquate Reaktionen Gedanken zu machen. Manches muss auch gar nicht besprochen werden, sondern einfach nur mal gesagt. Beim Schreiben sortieren sich meine Gedanken und meistens geht es mir hinterher einfach besser. Und aus eben diesen Gründen liebe ich Briefe. Außerdem finde ich, dass handgeschriebene Briefe zeigen, dass mir etwas wichtig ist, dass ich mir dafür die Zeit nehme und die mir die Mühe mache, etwas mit der Hand aufs Papier zu bringen.
Seit ich diesen Brief geschrieben habe, geht es mir besser. Ich fühle mich nicht mehr genervt und nicht mehr belastet, sondern habe es für mich geklärt. Insofern bin ich mir dieses Mal fast sicher, dass die Fremdwahrnehmung nicht unbedingt etwas mit mir zu tun hat, sondern mehr über mein Gegenüber sagt, als über mich.

Samstag, 8. November 2014

Abschiede

Kennt ihr das, dass sich die Wahrnehmung verschiebt, wenn sich etwas verändert? Wenn man sich ein Auto kauft, fallen einem plötzlich alle Autos des selben Typs auf, egal wie selten die sind, plötzlich sieht man sie überall.
Ähnlich ist es, wenn man an irgendetwas erkrankt. Man lernt überproportional viele Leidensgenossen kennen. Klar, man treibt sich ja ständig bei irgendwelchen Fachärzten rum. Beim Onkologen andere Krebskranke zu treffen ist einfach relativ wahrscheinlich.
Das wiederum bedingt, dass man sich immer wieder - gewollt und ungewollt - mit dem Tod und dem Sterben auseinandersetzen muss. Im letzten Jahr sind mind. 3 Menschen gestorben, die mit mir zeitgleich in Therapie waren. Manche davon kennt man nur vom Hörensagen, da ist das nicht ganz so schlimm. Andere wiederum kennt man besser, die wurden zum Teil des eigenen Lebens, waren vielleicht sogar Freunde. Und wenn jemand Nahestehendes stirbt, kommt die Angst-Keule von hinten. Denn dann wird einem wieder bewusst, dass Krebs zwar durchaus heilbar ist - aber eben nicht immer. Dass man an Krebs nach wie vor sterben kann. Und dass einem keiner je die Garantie geben kann, das man daran nicht sterben wird. Letztlich bis man tot ist und irgendwer feststellen kann, woran man denn tatsächlich gestorben ist.
Ich war vor einigen Wochen auch wieder auf der Beerdigung einer solchen Person. Einer starken Frau, die jahrelang gegen den Krebs gekämpft hat. Eines wunderbaren Menschen, der bis zum Ende Lebensfreude und Lebensmut ausgestrahlt und weitergegeben hat. Eines Menschen, der eine große Lücke zurückgelassen hat, aber auch Erinnerungen an wunderschöne Momente.
Ihr widme ich den heutigen Blogeintrag.
Sonja, ich bin stolz, Dich gekannt zu haben, ich bin froh, Deine Bekanntschaft gemacht zu haben und ich bin traurig darüber, dass es unsere Freundschaft nicht länger wachsen und reifen konnte. Nichtsdestotrotz habe ich eine ganze Ladung voller Erinnerungen an Dich, die mir niemand mehr nehmen kann.

Falls sich jemand über das Foto wundert oder es zum nicht passend zum Thema findet - Sonja hat die Mädels gemocht und fand meine Fotos von den lachenden Kindern immer besonders schön - sie hat auch in schweren Zeiten immer wieder ein lachendes Kinderbild von mir geschickt bekommen. Deshalb auch hier die lachenden Kinder.


Sonntag, 2. November 2014

"...letters I´ve written, never meaning to send..."

Wenn mich Dinge aufregen, schreib ich ganz oft Briefe, die ich dann nicht versende. Vielleicht kennen das ein paar von Euch auch. Besonders mit Behörden etc. passiert mir das immer wieder. Diese Woche war es wieder mal so weit.
Ich habe nach der Entfernung meiner Eierstöcke und der zweiten Brust beim ZBFS einen Verschlimmerungsantrag gestellt zur Neuberechnung des GdB. Dabei habe ich auch die Emfpindungsstörungen in den Händen angegeben (mittlerweile habe ich die auch in den Füßen, aber ist ja egal).
Im Bescheid hieß es dann "die mit der Gesundheitsstörung Gefühlsstörungen im Bereich der Finger verbundenen Einschränkungen bedingen keinen GdB von wenigstens 10. Die Berücksichtigung bei der Feststellung des GdB ist daher nicht möglich."
Coole Nummer. Der Brief an Frau XXXX vom ZBFS würde sich in etwa wie folgt lesen:

Sehr geehrte Frau XXX,
mit großer Verwunderung habe ich ihrem Bescheid entnommen, dass die Gefühlsstörungen im Bereich der Finger keine zu berücksichtigenden Einschränkungen bedingen. 
Haben Sie schon einmal versucht, mit tauben oder kribbelnden Fingern zu stricken, zu nähen oder zu häkeln? Sie sind nicht handwerklich begabt? Spielen sie ein Instrument? Wenn ja: Schon mal versucht, mit tauben Fingern Gitarre oder Klavier zu spielen? Oder gehen wir in die normalen Haushaltsaufgaben: Zwiebeln schneiden? - Glauben Sie mir: sehr schmerzhaft, wenn man den Schnitt erst merkt, wenn er richtig tief ist.
Sollten Sie nach wie vor der Meinung sein, dass das alles im Alltag nicht einschränkt (verzichten wir halt auf Handarbeit, Musik und Kochen) - wie wäre es mit einem kleine Experiment? Das können Sie bei Ihrer vorwiegend sitzenden Tätigkeit durchaus in ihren normalen Arbeitsalltag integrieren: Setzen Sie sich so lange auf Ihre Hände, bis die Finger komplett taub sind. Keinesfalls beim ersten Kribbeln aufhören. Warten sie, bis es richtig fies ist. Wenn Sie an diesem Punkt ankommen, versuchen Sie mal, Ihre Bluse mit den tauben Fingern aufzuknöpfen, ihren Hosenknopf zu schließen, ihre Schuhe zu binden oder die Haken ihres BHs zu schließen. Und wie verändert sich Ihre Maschinen-Schreib-Leistung mit kribbelnden Fingern?
Sollten Sie das alles ohne Probleme schaffen, sind sie motorisch geschickter als ich.

Gerne können Sie dieses Experiment auch vor dem Schlafengehen wiederholen. Am Besten schlagen Sie dabei noch die Beine übereinander, damit zumindest ein Fuß ebenfalls kribbelt. Dieses Kribbelgefühl kann man dann im Bett besonders genießen. 
Der Unterschied zwischen dem Experiment und meiner tatsächlichen Situation ist, dass bei Ihnen das Kribbeln bereits nach kurzer Zeit wieder aufhören wird - bei mir ist es permanent vorhanden und betrifft mittlerweile nicht nur die Hände, sondern auch die Füße.
Wenn wir ganz ehrlich sind, ist es die Einschränkung, die mich im Alltag am meisten betreffen.
Mit freundlichen Grüßen,
...

So, oder so ähnlich würde sich der Brief wohl lesen, wenn ich ihn denn schriebe...

Montag, 20. Oktober 2014

nix mehr los hier

Ich wurde gerügt, weil ich den Blog sträflich vernachlässige. Stimmt. Aber: Ist ja nix mehr los hier. Und mein stinknormaler Alltagswahnsinn mit den 3 Zwergen interessiert doch niemanden. Das hat jeder selber (oder ist froh, es nicht zu haben).
Und weil mir nichts einfällt, was ich schreiben kann, zeige ich Euch einfach ein paar Fotos von einem wundervollen, strahlenden Herbstwochenende. Genießt sie, wenn die Tage jetzt grauer, kälter, nässer und kürzer werden (und falls jemand Fotos will: Melden... ihr wisst ja, dass ich gerade am sondieren bin, wo es so hingehen soll und vielleicht ist es ja doch die Fotografie...  :-)  )











Montag, 13. Oktober 2014

Neuanfang?

So, jetzt geht der Ernst des Lebens wieder los. Nach einem Jahr des Herumgammelns fange ich wieder an zu arbeiten.
Wieder ein Schritt zurück zu meinem ganz normalen Alltag. 
Ich freu mich wie ein Schnitzel.
Und jetzt kommt das fiese kleine Wort: ABER - irgendwo in mir drinnen nagt so ein gemeiner kleiner Wurm, der flüstert: "Warum nicht ein richtiger Neuanfang?" 
Hm - warum nicht? Ich bin ja jemand, der sich gerne immer neuen Herausforderungen stellt. Die Vorstellung, die nächsten 30 Jahre immer das selbe zu machen ist mir ein Gräuel. Die Vorstellung, jahrelang das Gleiche zu tun ist bäh. 
Also bin ich gerade so am Sondieren, was es alles für Möglichkeiten gibt.
Die eine Möglichkeit wäre ja, noch eine Zusatzausbildung zu machen. Da das Richtige zu finden (und es sich dann noch leisten können) ist gar nicht so einfach.
Die andere Möglichkeit wäre, ein neuer Job. Momentan wären sogar ein paar Stellen ausgeschrieben, die evtl. interessant wären - ABER (schon wieder dieses doofe Wort): Will ich wirklich einen anderen Job. Ich mag meine Arbeit, ich mag meinen Arbeitgeber, ich mag meine Kollegen und meine Chefs - will ich wirklich wechseln?
Oder was total anderes machen. Nebenher? Z. B. die Fotogeschichte irgendwie ausbauen?...
Oder nur zusätzlich ein bisschen was anderes machen? 
Oder, oder, oder, oder....
Die eigentliche Frage ist: Wieviel Neuanfang will ich wirklich?
Und meine Gedanken drehen sich munter im Kreis und ich komm zu keinem wirklichen Ergebnis.
Willkommen zurück im Gedankenkarusell....

Mittwoch, 24. September 2014

Rück- und Ausblick


Hier war es ja in letzter Zeit sehr ruhig. Weil einfach nicht viel los ist. Es tut sich nichts, der normale Alltagswahnsinn nimmt mich - wie jeden anderen - meist total gefangen. Ich werde irgendwann in den nächsten Wochen wieder anfangen zu arbeiten und vor jedem Nachsorgearzttermin Muffensausen haben - wie alle anderen eben auch.

Jetzt ist es dann genau ein Jahr her, dass ich die Diagnose erhielt. Und am Ende eines Jahres gibt es doch immer Rückblicke. Also machen wir das jetzt auch mal:
Oktober 2013 - kurz vor der Diagnose

rote Schuhe habe mich tatsächlich ein ganzes Jahr begleitet.
Ich habe jetzt übrigens immer noch rote Schuhe - aber auch wieder andere.

am 28.11.2013 haben wir gemeinsam die Haare rasiert.
BEVOR sie anfingen, wirklich büschelweise auszugehen.
Und wenn wir ehrlich sind, hatten wir eine ganze Menge Spaß
28.11.2013 - meine kleinste Tochter trägt mir heute noch nach, dass sie nicht rasieren durfte...




ich hab zwar ne Perrücke - aber effektiv steht sie jedem besser als mir und ich hab sie auch nicht oft auf

Dezember 2013
ich finde, der Titel "schönste Christbaumkugel" gebührt mir



Februar 2014: Ein tolles Familien-Shooting bei BiBa-Photodesign in Meitingen

März 2014
Recover your Smile-Shooting in München
eine wirklich tolle Sache





April 2014 - das beste Geburtstagsgeschenk ever: Mein Strandkorb

Mai 2014 - auf einer Hochzeit und deshalb ausnahmsweise mit Perrücke.
Sonst bleibt der Fiffi nämlich daheim...
Juni 2014 - die Haare sprießen

August 2014 - das kann man durchaus schon als Frisur bezeichnen.
Die Kondition ist genauso schlecht wie vor der Erkrankung - ich würde sagen: Alles wieder gut!

So. Jetzt geht's zum Ausblick (meine Vorsätze):
- ich werde wieder arbeiten (bald)
- ich werde weiterhin auf mich hören und mir ab und zu eine Auszeit gönnen (die ich z. B. mit ganz lieben Menschen in Baden-Württemberg verbringen werde)
- ich werde weiterhin mit meinen Kindern lachen, weinen, streiten, kuscheln, blödeln und für alle ihre Sorgen und Nöte aber auch die Freuden da sein
- ich werde weiterhin jeden Tag froh und glücklich sein, meinen Mann gefunden und geheiratet zu haben (und dankbar, dass er mich auch genommen hat)
- ich werde mir die gute Laune nicht verderben lassen - von nichts und niemandem
- ich werde mich weiterhin freuen, so tolle Menschen kennengelernt zu haben und hoffentlich noch viele lustige Abende verbringen
- ich werde weiterhin viel lesen (das habe ich im letzten Jahr nämlich tatsächlich genossen - endlich mal wieder Zeit zum Lesen zu haben)
- ich werde mich mehr bewegen (bis jetzt klappts ganz gut, wobei ich zugegebenermaßen in der letzten Woche etwas geschludert habe)
- ich will 10 kg abnehmen 
- ich lass mich überraschen, was noch alles kommt....

Mittwoch, 3. September 2014

Leseempfehlung

Ihr wisst ja, dass ich oft im Netz unterwegs bin. Dabei bin ich auf den Blog von Cherry  gestoßen. Und der ist wirklich lesenswert. Er strotzt vor Kraft und Mut und Lebensfreude. Also keiner der oft vorhandenen Krebs-Jammer-Weltuntergangs-Blogs sondern eine absolut lesenswerte Geschichte.

Ihr letzter Blog handelt davon, ob wir die neuen Trümmerfrauen sind. Darüber habe ich viel nachgedacht.
Dabei bin ich lustigerweise zu dem Schluss gekommen, dass ich allen anderen das durchaus zusprechen würde - mir aber nicht.
Ich finde, Menschen, die durch besondere Lebensumstände durchmüssen und diese auch (so weit das geht) anpacken, verdienen absoluten Respekt. Das trifft auf praktisch jeden von uns zu, schließlich kommt jeder Mal in eine Situation, die nicht "normaler Alltag" ist und uns herausfordert. Damit umzugehen, ohne den Kopf in den Sand zu stecken oder zu verzweifeln hat Hochachtung verdient.
Das empfinde ich bei allen anderen so. Nur mir selbst gestehe ich das nicht zu. Wenn ich von anderen höre, dass ich so toll mit der Situation umgehe, denke ich mir immer: "Wie sonst sollte ich damit umgehen?" Außerdem war für mich diese Situation ja auch gar nicht so weltumstoßend - ich habe ja damit gerechnet.
Offensichtlich messe ich also hier mit zweierlei Maß und gestehe anderen mehr zu, als mir :-)

In einem stimme ich Cherry aber absolut zu:
Aufgeben ist keine Option